Bienenfreundliches Hessen

Zum Schutz und Erhalt der Bienen

Wildbienen

Wildbienen in Hessen in Gefahr

Während die Zahl der Honigbienenvölker in Hessen durch die gute Arbeit der Imkerinnen und Imker wächst, sind Wildbienen weiterhin in Gefahr. Laut Roter Liste der Wildbienen in Hessen sind 43 Prozent der hessischen Wildbienenarten gefährdet oder bereits ausgestorben.

bild

Wissenschaftliche Forschung zum Thema Wildbienen in Hessen betreibt die Arbeitsgemeinschaft hessischer Hymenopterologen (Wildbienenkundler).

Bild: © Constanse Martin

Die Mai-Langhornbiene an einer Zaun-Wicke
Die Mai-Langhornbiene an einer Zaun-Wicke
© Felix Fornoff

Die Mai-Langhornbiene ist die Wildbiene des Jahres 2021

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ hat für 2021 eine Biene gewählt, deren Männchen sich durch enorm lange Antennen auszeichnen und die sich im Frühling sehr auffällig benehmen. Die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens) ist etwas größer als die Honigbiene, wirkt ein wenig plump und ist pelzig
orange-braun behaart. Sie hat besondere Ansprüche an ihre Nahrungspflanzen, denn sie besucht ausschließlich Schmetterlingsblütler. Das ist vor allem die Zaun-Wicke, die zur Flugzeit der Mai-Langhornbiene in Wiesen, an Wegrändern und Waldsäumen blüht. Die Männchen der Mai-Langhornbiene
erscheinen deutlich vor den Weibchen meist ab Mitte April bis Anfang Mai und patrouillieren in rasantem Flug bevorzugt an Beständen der Zaun-Wicke. Dabei folgen sie auffällig stets den Flugbahnen, die von ihnen durch Duftmarken festgelegt wurden, und erwarten die Weibchen.

Das Nest legen die Weibchen in der Erde an vegetationsfreien oder nur spärlich bewachsenen Stellen an. Das sind ebene Flächen oder Böschungen bevorzugt mit lehmigen oder sandigen Böden. Die Weibchen häufen im hinteren Teil der Brutkammern den Pollenvorrat einfach an und formen ihn nicht, wie bei anderen Wildbienen üblich, zu einer Kugel. Nach Fertigstellung der Nester stirbt das Weibchen etwa Mitte Juni.

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ ist beim Arbeitskreis Wildbienen-Kataster angesiedelt, einer Sektion des Entomologischen Vereins Stuttgart 1869 e.V.

Was können wir für die Mai-Langhornbiene tun?

Die Mai-Langhornbiene gilt hessen- und bundesweit als nicht gefährdet, allerdings wird sie in einigen Bundesländern in der jeweiligen Roten Liste geführt. In Nordrhein-Westfalen gilt sie als gefährdet, in Sachsen als vom Aussterben bedroht. In Berlin ist die Art ausgestorben. Die Perspektiven sind somit nicht gut, was eng mit dem mangelnden Angebot blütenreicher Wiesen zusammenhängt.

Damit sich diese Wildbiene wohl fühlt, kommt es auf das Angebot passender Nahrungspflanzen und offener Bodenstellen zur Nestanlage an. Die Zaun-Wicke wird von der Mai-Langhornbiene bevorzugt besucht. Für private Haushalte bietet es sich an, die Zaun-Wicke ab Mai entweder als als vorgezogene Jungpflanze einzupflanzen, oder die Samen direkt an einem geeigneten Ort mit Rankmöglichkeit in die Erde zu setzen (ca. immer 5 Samen zusammen) und mit etwas Erde zu bedecken. Empfehlenswert ist es auch, die Samen vorher 24 Stunden lang einzuweichen. Ihre schönen violetten Blüten blühen von Juni bis September. Die Zaun-Wicke ist ungiftig, ihre Blüten sind essbar.

In der Ackerflur liefern geeignete Blühmischungen mit hohem Anteil heimischer Schmetterlingsblütler eine Verbesserung des Nahrungsangebotes. Zum Schutz der Bodennester dieser Wildbienen sollten die Flächen dort unbedingt mehrjährig bestehen. Zudem ist der Bestandsschutz der noch verbliebenen Wiesen und deren schonende Bewirtschaftung mit einem ersten Schnitt nicht vor Anfang Juni geboten.

Quellen: Naturkundemuseum Baden-Württemberg; Info-Flyer "Wildbiene des Jahres 2021"

Sandbiene an Glockenblume
© bienen.hessen.de

Weitergehende Informationen zu Wildbienen und verschiedenen Wildbienenarten stehen beispielsweise auf der Seite des Wildbienenexperten Paul Westrich zur Verfügung.

Jährlich kürt der Arbeitskreis Wildbienen-Kataster gemeinsam mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, der Landesanstalt für Bienenkunde sowie den Imkerverbänden Badens und Württembergs die Wildbiene des Jahres. Arten, die auch in heimischen Gärten beobachtet werden können, werden mit ihren Besonderheiten und Bedürfnissen vorgestellt.

Wildbienen.info

Wildbiene des Jahres

Wussten Sie schon, dass

 

  • 2020 in Hessen 64.000 Bienenvölker leben. 2008 waren es nur 48.000.
  • durchschnittlich im Sommer 40.000 Honigbienen in einem Volk zusammenleben.
  • es neun Honigbienenarten und 20.000 Bienenarten weltweit gibt.
  • es in Hessen etwa 424 Wildbienenarten gibt. 43 Prozent sind gefährdet oder bereits ausgestorben.
  • beinahe alle gefährdeten Wildbienenarten in Hessen im Boden nisten.
  • mehr als die Hälfte der 560 Wildbienenarten in Deutschland gefährdet ist.
  • ein Honigbienenvolk pro Jahr im Schnitt 25 Kilogramm Honig produziert.
  • eine Honigbiene 25 km/h schnell fliegen kann.
  • Honigbienen circa 120.000 Kilometer fliegen müssen, um 500 Gramm Honig zu produzieren.
  • eine Biene pro Tag ca. 7.500 Blüten bestäubt.
  • Bienen und andere Insekten weltweit durch ihre Bestäubungsleistung 200 bis 500 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften.
  • auch 42 Prozent der Insektenarten in Deutschland als extrem selten oder bereits ausgestorben gelten.