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Ökologischer Anbau

Was tut der Ökolandbau für Bienen und andere Bestäuber?

Ökologischer Anbau: Artenschutz und Vielfalt im System

Der Grundgedanke der ökologischen Wirtschaftsweise ist es, im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Natürliche Ressourcen wie fruchtbarer Boden, sauberes Wasser und saubere Luft aber auch die Artenvielfalt sollen erhalten bleiben. Somit ist es im Ökolandbau selbstverständlich, dass keine Pestizide und keine chemisch-synthetischen Dünger verwendet werden. Um ohne chemische Hilfsmittel gute Erträge und gesunde Pflanzen sicherstellen zu können, sind weitreichende Kenntnisse natürlicher Lebenszusammenhänge und viel Erfahrung erforderlich. 
Die Fruchtfolge ist ein zentrales Element des ökologischen Anbaus. Die Kulturpflanzen werden im Jahresverlauf bzw. im Verlauf mehrerer Jahre auf einer Fläche nacheinander so angebaut, dass sich Krankheiten und Schädlinge nicht ausbreiten können. Somit sind auf einer Fläche oftmals Anbaupausen von mehreren Jahren zwischen Pflanzen der gleichen Pflanzenfamilie erforderlich. Teil der Fruchtfolge sind Gründüngung und Zwischenfruchtanbau. Diese dienen
dazu, dem Boden wieder etwas zurückzugeben, also Nährstoffe und Humus im Boden nach dem Austrag durch die Kulturpflanzen wieder anzureichern. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die so genannten Leguminosen, zu
denen beispielsweise die verschiedenen Kleearten aber auch Bohnen und Erbsen gehören. Diese Pflanzen können in Zusammenarbeit mit Bodenbakterien an ihren Wurzeln den Stickstoff aus der Luft holen, so dass dieser den Pflanzen
als Nährstoff zur Verfügung steht.

 

Zusammenspiel von Pestizidverzicht, Fruchtfolge, mechanischer Beikrautregulierung sowie Gründüngung und Zwischenfrucht 

 

Die Beikrautregulierung erfolgt mechanisch mittels Hacken und durch die beikrautunterdrückende Wirkung von Gründüngung und Zwischenfrüchten. Auf diese Art können Wildkräuter nicht vollständig verdrängt, sondern lediglich an einer zu starken Ausbreitung gehindert werden. Das Zusammenspiel von Pestizidverzicht, Fruchtfolge, mechanischer Beikrautregulierung sowie Gründüngung und Zwischenfrucht führt dazu, dass auf ökologisch bewirtschafteten Flächen um ein vielfaches mehr an blühenden Wildkräutern und Kulturpflanzen und somit auch an Insekten zu finden ist. Die Insekten und Wildkräuter sind wiederum Nahrung für Vögel und andere Tiere. Es ergibt sich eine fruchtbare Symbiose zwischen Natur und Bewirtschaftung durch den Menschen.

 

Förderung von Bestäubern und Artenvielfalt am Beispiel einer Biogärtnerei

Die oben beschriebenen Vorteile für die Natur ergeben sich im ökologischen Anbau sozusagen ganz automatisch. Darüber hinaus gibt es aber auch auf Biobetrieben viele Möglichkeiten, noch mehr für die Artenvielfalt und somit auch für die Bienen zu tun. Am Beispiel der Gärtnerei des Bio-Lieferservices Grüner Bote in Hübenthal im Werra-Meißner-Kreis zeigen wir, wie mit einfachen Maßnahmen einige weitere Verbesserungen erreicht werden können.

 

Die Gärtnerei – ein kurzer Überblick

 

Alle in der Gärtnerei angebauten Gemüse und Kräuter werden über die Abo-Kisten vermarktet. Auf knapp zwei Hektar werden Feldgemüse wie Rote Beete, Kürbis, Mangold, Salat und Kräuter angebaut. In zwei Folientunneln wachsen im Sommer außerdem Tomaten und Gurken und im Winter Asia-Salate und Portulak. Die kleine Gärtnerei liegt umgeben von Wiesen, Wald und Hecken. Diese vielfältigen Strukturen und landschaftliche Abwechslung bieten Lebensraum für verschiedenste Pflanzen und Tiere. Michael Martin ist der verantwortliche Gärtner im Betrieb. Nach der Schule arbeitete er zunächst als Bohrwerksdreher – hier stimmte zwar das Gehalt, aber ihm persönlich fehlte der Sinn im täglichen Tun. Über ein Praktikum auf einem vielseitigen Demeter-Betrieb fand er schließlich seinen Weg zur ökologischen Landwirtschaft. Michael Martin sammelte zunächst einige Jahre Erfahrung als Betriebsleiter in der Landwirtschaft mit Tierhaltung.

Schließlich entschied er sich aber für den Gemüsebau. Seit 2008 arbeitet er nun in der Gärtnerei Grüne Kraft. Zwar war es für ihn schon immer klar, dass er ökologisch wirtschaften möchte, zu groß das Unbehagen gegenüber Pestiziden und künstlichen Düngemitteln. Sein Blick richtet sich aber erst seit vergleichsweise kurzer Zeit gezielt auf den Schutz und die Förderung von Bestäubern auf dem eigenen Betrieb: „Ich fange jetzt erst an, mir dazu Gedanken zu machen. Das Thema begegnet mir auf Fachtagungen und ist derzeit viel in den Medien. Oft reichen schon einfache Maßnahmen, um gezielt etwas für Bienen und andere Bestäuber zu tun. Ich kann meine Ideen hier auf dem Betrieb schnell umsetzen, da mein Chef ebenfalls voll dahinter steht.“ Der Chef von Michael Martin, Christof Niehaus, ist seit 1992 verantwortlich für die Gärtnerei, die 1984 von Gabi Osthues gegründet wurde. Zusammen mit ihrem Mann Wolfgang begann Gabi bald darauf, als eine der ersten, einen Abo-Kisten-Service aufzubauen. Auch die beiden Gründer und der jetzige Inhaber sind seit jeher von viel Idealismus getragen, Gesellschaft so zu gestalten, dass auch zukünftigen Generationen eine lebenswerte Welt erhalten bleibt. Somit ist es für sie keine Frage, aktiv etwas für den Schutz der Bienen zu tun, auch wenn damit gelegentlich höhere Kosten verbunden sind.

 

Mit einfachen Maßnahmen viel erreichen

So werden in der Gärtnerei Bienen und andere Bestäuber gefördert

Michael Martin bei der Aussaat der Lauenauer-Aktivhumus-Mischung
Michael Martin bei der Aussaat der Lauenauer-Aktivhumus-Mischung © Anneke Jostes/VÖL e. V.

Nicht ganz billig: statt wie bisher einfache und kostengünstige Getreide-Leguminosen-Mischungen für die Gründüngung zu wählen, kommt nun die Lauenauer-Aktivhumus-Mischung zum Einsatz. Diese ist nicht nur gut für die Bodenfruchtbarkeit sondern bietet mit Phacelia, Malve und Lupine auch ein reiches Blühangebot.  Michael Martin hat der Mischung noch Sonnenblumen und Buchweizen hinzugefügt.

Keine Nebensache

Beinewell am Folientunnel
Beinewell am Folientunnel © Anneke Jostes/VÖL e. V.

Neben Gewächshäusern, zwischen den Beeten und am Wegesrand blüht es reichlich. Hier ist richtig was los, besonders der Beinwell sorgt bei Bienen und anderen Bestäubern für Begeisterung. Deshalb ist es wichtig, den Bewuchs nicht oder nur selten abzumähen, um Nahrungsquellen und Lebensräume zu erhalten.

 

Das fruchtet

Gurkenpflanze mit Fruchtansatz
Blühende Gurkenpflanze mit Fruchtansatz © Anneke Jostes/VÖL e. V.

Das fruchtet: Schön, wenn die Nützlinge schon so zahlreich vor Ort sind! Dann können sie die Kulturpflanzen gleich mitbestäuben und für reiche Ernte sorgen:

 

In voller Pracht

Aus grün wird bunt: Gründüngung Ende Juli
Aus grün wird bunt: Gründüngung Ende Juli © Anneke Jostes/VÖL e. V.

Die Gründüngungsmischung zeigt sich im hinteren Beet in üppiger Blütenpracht, während vorn schon der Nachschub in den Startlöchern steht. Wird die Blühmischung so wie hier auf verschiedenen Beeten zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgesät, kann das Blühangebot bis weit in den Herbst verlängert werden. Gerade dann wird das Nahrungsangebot für Bienen vielerorts knapp!!

 

Ein Anfang ist gemacht. Michael Martin überlegt aber schon, welche weiteren Maßnahmen in Zukunft auf dem Betrieb für Bienen und Artenvielfalt umgesetzt werden können.